HOTZENWALD BAUERNKAPELLE GÖRWIHL E.V.

 

Aus der Geschichte der Hotzenwald-Bauernkapelle Görwihl

Die Hotzenwald-Bauernkapelle Görwihl als Nachfolgerin des früheren Musikvereins Görwihl ist einer der ältesten nachweisbaren Vereine des Hotzenwaldes.

Die Hotzenwald-Bauernkapelle ist in der glücklichen Lage, die Protokolle der Gründungsversammlung noch zu besitzen. Aus ihnen geht hervor, dass sich am 8. Juli 1861 nach mehreren vorbereitenden Besprechungen 18 musikbegeisterte Bürger des Dorfes zu einem Musikverein zusammengeschlossen haben. Indirekt dürfte die in jenen Jahren schon bestehende Blasmusik von Strittmatt zur Gründung mit beigetragen haben. Diese hatte zuvor schon oft bei festlichen Anlässen in Görwihl gespielt. So hatte diese zum Beispiel auch als "gut organisierte Blechmusik" - wie geschrieben steht - am 13. September 1861 die musikalische Gestaltung der Geburtstagsfeier des Großherzogs Friedrich übernommen, die in Görwihl ihren abendlichen Höhepunkt mit einem Feuerwerk auf der "Kaisermatte" fand, dem über 2000 Personen beiwohnten.

Als erster "Instruktor", so wurde damals der Dirigent genannt, konnte Hilfslehrer Joh. B. Launer aus Strittmatt gewonnen werden. Die erforderlichen 16 Instrumente zur Erstausstattung lieferte der Freiburger Instrumentenmacher Max Kenner zum Gesamtpreis von 320 Gulden.

Die erste Satzung des Vereins war sehr streng, der Idealismus und die persönlichen Opfer der Musikanten groß. Jedes Mitglied musste zur wöchentlichen Probe, die jeweils 3 Stunden ging, 12 Kreuzer zahlen (damals etwa der Stundenlohn eines Handwerkers). Wer ohne triftigen Grund fehlte, zahlte 15 Kreuzer in die Kasse, wer aber gar ohne maßgebende Gründe aus der Gesellschaft austritt, hatte nicht nur wieder einen neuen Mann zu stellen, der an seinen Platz trat, sondern er zahlte noch 12 Gulden als Strafe (zum Vergleich: eine neue Trompete kostete damals 14 Gulden.) Jedes Mitglied verpflichtete sich zur schonenden Behandlung des ihm anvertrauten Instruments und konnte, wie es in den Statuten heißt, bei Beschädigung gerichtlich belangt werden.

Nächster Dirigent und später auch Kassier des Musikvereins wurde der damalige Görwihler Hauptlehrer Gustav Wehrle, der zur gleichen Zeit auch im Sängerbund wertvolle Aufbauarbeit leistete. Seine sauber geführten Kassenberichte sind noch erhalten. Von Georgi (23. April) bis Martini (11. November) begannen die Proben um halb neun abends; von Martini bis Georgi um acht Uhr. Der Dirigent erhielt für jede Probe 24 Kreuzer. Die Ausgaben für die zur Beleuchtung bei den Proben erforderlichen Kerzen wurden jeden Monat genau abgerechnet; sie betrugen für das halbe Pfund Kerzen 12 Kreuzer.

 

Interessant sind die Anschaffungspreise für die ersten Instrumente. Flügel- und Althörner kosteten um 20 Gulden (fL) Trompeten 14 - 17 fl., ein Es-Baß oder Bombardon kam auf 34 fl., eine Klarinette auf 7- 8 fl.; eine Trommel kostete mit Stöcken 10 fl., eine Pauke mit Schlegel 27 fl. Das teuerste Stück aber war die einige Jahre später beschaffte Vereinsfahne, die samt Stange, Spieß und Schärpe auf 72 fl. kam.

Nach dem abschließenden Protokoll vom 31. August 1874 tritt in der Vereinsgeschichte eine größere Lücke auf. 1888 wurde der Musikverein zu neuem Leben erweckt als Abteilung des damaligen Militärvereins. Doch 1902 löste sich die Gesellschaft ganz auf, und alle Instrumente wurden satzungsgemäß vom Militärverein eingezogen. Am 27. November 1904 erfolgte eine Wiedergründung des Musikvereins auf Initiative des Görwihler Pfarrverwesers Wilhelm Fichter. Die Instrumente wurden dem nun wieder selbständigen Verein vom Militärverein unter folgenden Bedingungen überlassen:

1. Der Musikverein Görwihl hat bei allen Anlässen und Feiern des Militärvereins für die Dauer von 10 Jahren unentgeltlich mitzuwirken.

2. Beim Begräbnis eines Mitgliedes des Militärvereins hat die Kapelle unentgeltlich zu spielen.

Wenn in der Folgezeit bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges der Verein einen großen Aufschwung nahm, so war dies besonders dem Kaufmann Theodor Huber zu verdanken, der in jener Zeit Vorsitzender war. Da 1914 der größte Teil der Musiker unter die Waffen gerufen wurde, ruhten die Aktivitäten des Vereins. Musik, Geselligkeit und freundschaftliche Beziehungen unter den Mitgliedern zu pflegen und zu fördern, nannte der erste Paragraph der nach dem Krieg neu erstellten Statuten des Vereins, der im Jahr 1924 insgesamt 17 aktive Musiker zählte. Von 1918 - 1925 leistete Artur Korn, Militärmusiker und Kapellmeister, wertvolle Aufbauarbeit mit jungen Vereinsmitgliedern; auf ihn folgten die Lehrer Franz Höß 1925 -1928, der sich auch als Kirchenmusiker einen Namen machte, sowie Hermann von Schneyder und Emil Schwarz. Der Musikverein war bereits in den zwanziger Jahren nicht mehr aus dem Leben des Dorfes wegzudenken. Feste und Feiern waren ohne Beteiligung der Blasmusik kaum noch denkbar, und wie viele es waren in den Jahren, darüber geben die Protokollbücher genaue Auskunft. So machte der Musikverein die Festmusik bei der Bannerweihe des Radfahrvereins "Wanderlust" Görwih11924, ebenso am 27. Juli des gleichen Jahres bei der Fahnenweihe des Bundes ehemaliger Kriegsteilnehmer 1914/18 von Görwihl; bei der Gründung des Turnvereins Görwihl am 11. August 1929, bei der Fahnenweihe des Kath. Gesellenvereins Görwihl am 20. Juli 1930 und nicht zuletzt eine Woche später bei der Einweihung des Gugelturmes am 27. Juli 1930.

 

Erfolge blieben der aufstrebenden Kapelle nicht versagt: So holte der Musikverein Görwih1 1927 beim Preisspiel in Murg in der Klasse B den 1. Preis mit Diplom, Dank für eine zielstrebige Probenarbeit, denn der Schriftführer konnte zum Abschluss jenes Jahres vermerken: "Im Jahr 1927 waren ungefähr 50 Proben und immer alle gut besucht, so dass keine Strafen erfolgt sind."

Dass die Geselligkeit nicht zu kurz kam, dafür sorgten zahlreiche Veranstaltungen im örtlichen Jahreskreis. Nicht zu vergessen die Ausflüge: Im Mai 1925 ging z. B. ein solcher nach Basel; Abmarsch morgens früh um halb vier Uhr, um den Zug in Albbruck zu erreichen. Unvergesslich für die Teilnehmer das Erlebnis der Alpenwelt bei der Fahrt 1938 nach Lugano. Und wie zeitlos ruht der Satz in den Vereinsannalen: "Alter Sitte gemäß wurde am 31. Dezember um 24 Uhr auf der "Rebstockterrasse" das neue Jahr angeblasen."

Nachdem in den dreißiger Jahren Franz Bannholzer, Albin Albiez aus Oberwihl und ab 1934 Josef Kaiser den Taktstock geführt hatten, musste der Verein im Jahr 1941 seine Tätigkeit einstellen, fast alle Mitglieder waren im Krieg.

Franz Scheuble

Franz Scheuble

Nach Kriegsende erwachte das Vereinsleben nur langsam, allein 10 Aktive waren gefallen oder vermisst, ein furchtbarer Blutzoll. Dem Einsatz des Dirigenten Josef Kaiser (Rebstockwirt) war es zu verdanken, dass 1946 in der Christmette erstmals wieder die Musik spielte, wenn auch nur mit sieben Mann. Nach der erfolgten Genehmigung durch die Französische Militärbehörde durfte der Verein am 6. Februar 1947 wieder ins Leben gerufen werden. Vorsitzender wurde Franz Huber, der mit kurzen Unterbrechungen dieses Amt bis Anfang 1969 inne hatte und maßgeblich zum Aufschwung des Vereins beigetragen hat, ebenso wie die Dirigenten Josef Kaiser, Franz Scheuble und Ernst Bartelmess in den Nachkriegsjahren. Zum ersten Mal nach dem Krieg trat man bei der Fronleichnamsprozession am 24. Mai 1951 geschlossen in einheitlicher Kleidung auf mit dunkler Hose, hellem Hemd und schwarzer Krawatte. Nachdem man am 27. Juli 1952 noch das 90-jährige Jubiläum gefeiert hatte, sollte das Jahr 1955 ein bedeutender Markstein in der Vereinsgeschichte werden.

Franz Huber

Franz Huber

Im Vorsitzenden Franz Huber reifte nämlich ein langgehegter Wunsch, als erster Verein auf dem Hotzenwald anstelle von Uniformen, die alte Hotzentracht für alle Aktiven zu beschaffen. Kein leichtes Unternehmen, denn allenthalben wurde Widerstand gegen diese Idee laut. Bei der Jahreshauptversammlung 1955 sah der "Marti Franz" den Augenblick für gekommen. Vorgeschlagen zur Wiederwahl als Vorsitzender, sagte er zuvor beherzt zu seinen Musikkameraden: "Wer mich wählt, der wählt gleichzeitig auch die Tracht!" Und die Musiker wählten Franz Huber, der umgehend in einer Haussammlung den Grundstock legte für die Verwirklichung des Vorhabens. Freunde und auswärts wohnende Alt-Görwihler gaben gern eine Spende, der damalige Landrat Otto Bischoff steuerte einen ansehnlichen Batzen bei, und im Benehmen mit dem Heimatforscher Dr. Leopold Döbele von Murg / Säckingen wurden nach alten Vorlagen vom Schneidermeister Frommherz in Rickenbach zwanzig Anzüge von schwarzem Samt und rotem Tuch maßgeschneidert. Gleichzeitig beschloss ein Dutzend Mädchen, sich unter persönlich großen Opfern an Zeit und Geld ebenfalls nach alten Mustern für sich die Hotzenwälder Tracht zu schneidern. So hatte man auch passende Festjungfrauen mit dem zierlichen Tschäppel, dem Perlenkrönchen, zu der am 17. Juli 1955 erfolgten Trachtenweihe. Es war ein denkwürdiger und stolzer Tag für die Gemeinde wie für den Musikverein Görwihl, der sich von nun an Hotzenwald-Bauernkapelle nannte.

Trachtenweihe 1955

Trachtenweihe in der Görwihler Pfarrkirche im Jahr 1955

Von nun an fielen die Görwihler Musiker nicht nur durch ihre musikalischen Leistungen, sondern auch durch ihre farbenprächtigen historischen Trachten bei allen Auftritten besonders auf, so 1956 bereits bei der Fridolinsprozession in Säckingen, bei der Chilbi in Waldshut und im selben Jahr beim großen Oktoberfestumzug in München, bei dem die Kapelle auf Einladung teilnahm.

Theateraufführung im Gasthaus Rebstock

Das 100-jährige Jubiläum beging die Hotzenwald-Bauernkapelle mit 25 aktiven Musikern in würdigem Rahmen am 15. / 16. Juli 1961. Am großen Festzug durch das Dorf beteiligten sich nicht weniger als 17 auswärtige Musikkapellen, die auch beim sich anschließenden Konzert im Festzelt zusammen mit dem Sängerbund Görwihl und der Trachtengruppe Görwihl mitwirkten. Eine Woche später fand am 22. / 23. Juli ein großes Trachtenfest mit einem sehenswerten Umzug statt. Zahlreiche auswärtige Trachtenkapellen und -gruppen, dazwischen Wagen mit heimischem Brauchtum, boten ein farbenprächtiges Bild. Höhepunkt des am 26.12.1962 im Rebstocksaal durchgeführten traditionellen Weihnachtskonzertes, wozu auch das obligatorische Theaterstück gehörte, war zweifellos das erstmalige Auftreten einer Knabenkapelle, die Dirigent Franz Scheuble herangebildet hatte.


Das 10-jährige Bestehen der Trachtenkapelle feierte man über die Pfingsttage 1966 mit einem großen Heimat- und Trachtenfest. Dazu spielte am 28. Mai die bekannte Vorarlberger Trachtenkapelle Bürs zum Tanz auf. Am Pfingsttag sah Görwihl einen selten schönen Festzug durch das Dorf, an dem sich 20 Trachtengruppen und -kapellen beteiligten sowie 4 schöne Festwagen. Von einer Ehrentribüne im Rebstockgarten sahen zahlreiche Ehrengäste, darunter auch der große Gönner der Hotzenwald-Bauernkapelle, Landrat Otto Bischoff von Säckingen, dem Umzug zu. Im Festzelt zeigten alle Gruppen volkstümliche Darbietungen, die alle Zuschauer begeisterten. Das Fest klang am Pfingstmontag, 30. Mai mit einem Programm der Heimatvereine aus.


Nach einer Aufstellung hatte die Hotzenwald - Bauernkapelle am 31.12.1967 insgesamt 28 aktive Musiker. Bei der Generalversammlung am 11. Januar 1969 gab Franz Huber nach 20-jähriger Leitung den Vorstandsposten ab. In Würdigung seiner besonderen Verdienste um den Verein wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Zu diesem Zeitpunkt besaß der Verein 50 zum größten Teil neuwertige Instrumente und 35 Trachten.

 

Der intensiven Nachwuchsförderung, wie der konsequenten Probenarbeit des Dirigenten Franz Scheuble war 1970 ein besonderer Erfolg beschieden. Am 24. Mai dieses Jahres nahm die Kapelle am Verbandsmusikfest in Tiengen teil und erhielt für das vorgetragene Musikstück "Preis der Heimat" das Prädikat "Eins mit Auszeichnung". Dieser Erfolg stellte einen Höhepunkt in der bisherigen Vereinsgeschichte dar.

1971 war erneut ein Fest. Vom 10. - 18. Juli 1971 feierte man in einer großen Festwoche das 110-jährige Jubiläum des Vereins. Eine besondere Note erhielten diese Tage durch den erstmaligen Besuch einer französischen Musikkapelle in Görwihl. Initiator dieses Treffens war Monsieur Hubert Richard, der schon Jahre zuvor in den Ferien in Tiefenstein weilte. So kam er mit seinem Verein, der "Fanfare Municipale Plancy" aus der Champagne in den Hotzenwald, um freundschaftliche Brücken zu schlagen. Die französischen Gäste spielten beim Festbankett, beim Festgottesdienst, bei der Totenehrung am Gefallenendenkmal und nachmittags im Festzelt beim Sportplatz, wo sie überall Aufsehen erregten und Bewunderung. Beim offiziellen Festakt erhielt die Hotzenwald-Bauernkapelle aus der Hand von Landrat Otto Leible die im Auftrag des Bundespräsidenten Gustav Heinemann verliehene Plakette "PRO MUSICA" (Plakette für Verdienste um instrumentales Musizieren) überreicht. Gleichzeitig erhielt Ehrenvorsitzender Franz Huber für 40-jährige aktive Mitgliedschaft die Goldene Ehrennadel und Ernst Fricker für 50-jährige aktive Mitgliedschaft die große Goldene Ehrennadel. Der zum Abschluss der Festtage am Sonntag, 18. Juli 1971 vorgesehene große Trachtenumzug fiel unaufhörlichem Regenwetter zum Opfer, doch die Trachtenkapellen und -gruppen gaben dafür vorzügliche Kostproben ihres Könnens bei den Darbietungen im Festzelt. Unvergesslich dabei die 75-jährige Trachtenmutter Bärbel aus Neustadt mit ihrem kernigen Mutterwitz. Als zahlenmäßig kleinste Kapelle spielte Hartschwand-Rotzingen mit zehn Mann - mit Beifall bedacht. Das war das letzte Fest in Görwihl in einem Festzelt vor dem Bau der Hotzenwaldhalle.

Vom 27. - 29. Mai 1972 machte die Hotzenwald-Bauernkapelle ihren ersten Gegenbesuch beim Partnerverein in Plancy / Frankreich. Im selben Jahr übernahm Musikdirektor Willi Einschütz/St. Blasien die musikalische Ausbildung von 16 Görwihler Jungmusikern, die bereits am Weihnachtskonzert 1972 erstmals öffentlich auftraten.

Zu Jahresbeginn 1973 zählte der Verein 28 Aktive und 15 Jungmusiker; letztere waren alle 1971 eingetreten. Die Besetzung dieser Zöglinge war folgende: 5 Klarinetten, 3 Es-Hörner, 2 Tenorhörner, 2 Trompeten und 3 Flügelhörner. Da eine stattliche Anzahl dieser Jungmusikanten bald in das Orchester eingegliedert werden konnte, hatte man zu Beginn des Jahres 1974 40 Aktive, ein Verdienst von Dirigent Franz Scheuble, der sich dazu auch als Theaterregisseur bei den Aufführungen an Weihnachten bewährte.

In der geräumigen Hotzenwaldhalle feierte der Verein am 19. / 20. Juli 1975 das 20-jährige Jubiläum der Wiedereinführung der Hotzentrachten. Beim Festbankett gab es eine Ehrung verdienter Mitglieder. U. a. erhielt Franz Scheuble für 40-jährige aktive Mitgliedschaft die Goldene Ehrennadel des Verbandes. Am Sonntag, den 20. Juli, sah das Dorf wieder einen Festzug unter der Beteiligung zahlreicher auswärtiger Trachtenkapellen und Trachtengruppen, wobei auch viele Wagen prächtige Ausschnitte aus dem örtlichen Leben früherer Zeit boten.

Am 2. Mai 1976 fuhr eine Delegation der Hotzenwald - Bauernkapelle mit dem Vorsitzenden Fritz Baldischwieler nach Plancy / Frankreich, um an der Gründung der "Vereinigung Europäischer Musikkapellen" teilzunehmen. Am Abend wurden im Schloß von Plancy die Statuten ausgearbeitet und in Anwesenheit von Delegationen aus Frankreich, Belgien, Schweiz und Deutschland am anderen Tag unterschrieben.

Über den 4./ 5. September 1976 fand sich die 60 Mann starke " Fanfare Municipale Plancy" zu einem Gemeinschaftskonzert mit der Hotzenwald-Bauernkapelle in Görwihl ein. Hierbei erhielt Görwihl als erster deutscher Musikverein die Urkunde mit der Verleihung der Mitgliedschaft in der "Vereingung Europäischer Musikkapellen" nebst einer Schleife und Medaille vom Initiator der Partnerschaft, Hubert Richard, Plancy, überreicht.

1976 kann als „Jahr der Ausgaben" in die Vereinsgeschichte eingehen. Für spätere Zeiten seien die Ausgaben hier einmal aufgeschlüsselt: Für Trachten gab der Verein insgesamt 7.382,- DM aus (Kleidung 3.242,- DM, Fellmützen 3.180,- DM und Strümpfe 960,- DM). Für neun Instrumente zahlte man 7.064,- DM, für die Reparatur alter Instrumente 1.472,- DM, und die Noten für das Weihnachtskonzert kamen auf 300,- DM. Die intensive Nachwuchsförderung wird dadurch belegt, dass am Weihnachtskonzert 1976 wieder 25 Zöglinge ihren ersten Konzertauftritt hatten.

Bis zum Herbst 1977 trat die Trachtengruppe Görwihl zumeist mit der Hotzenwald-Bauernkapelle auf. Dies änderte sich nun. Im Oktober dieses Jahres wurde eine eigene "Hotzenwald-Trachtengruppe GörwihI" auf Vereinsbasis gegründet. Vorsitzender wurde Franz Huber. Ende 1977 zählte die Kapelle 32 Aktive und 22 Jungmusikanten. 1978 gab die Hotzenwald-Bauernkapelle zusammen mit dem Kath. Kirchenchor Görwihl in der Hotzenwaldhalle wieder ein Gemeinschaftskonzert, wobei die Musiker mit 12 Musikstücken einen wesentlichen Anteil an dem anspruchsvollen Programm boten. Am 19./20. August 1978 richtete Görwihl das Bezirksmusikfest des Arbeitsbezirkes II im Blasmusikverband Hochrhein aus. Der Auftritt des von Erhard Kaiser / Unteralpfen geleiteten 130 Mann starken Gesamtchores der Vereine Buch, Birndorf, Unteralpfen und Hochsal war eine hervorragende Demonstration für die Blasmusik. Zum Abschluss gab es bei vollbesetztem Haus in der Hotzenwaldhalle einen zünftigen Heimatabend. Auf Einladung fuhr die Hotzenwald-Bauernkapelle am 15. September 1978 nach München. Dort beteiligte man sich mit der Trachtengruppe am Oktoberfest-Umzug. Der 2 Stunden dauernde Umzug auf der 7 km langen Strecke durch München wird allen Teilnehmern in Erinnerung bleiben. "Soviel Menschen, die Beifall spendeten, haben wir noch nicht erlebt", heißt es im Protokollbuch.

Am Dreikönigstag 1979 eröffnete die Hotzenwald-Bauernkapelle den Reigen kultureller Veranstaltungen des Jahres mit einem glanzvollen Konzert in der Hotzenwaldhalle. Es war ein großer Erfolg für das 50 Musiker zählende Orchester. Deshalb soll einmal für spätere Zeiten das Programm dieses Abends hier aufgezeichnet sein:

1. Stille Nacht (Potpourri)                 H. Hartwig

2. Happiness (Moderne Ouvertüre)   W. Lange

3. Souvenir de Val d'lsere (Walzer)   J. Teres

4. Sonniges Spanien (Potpourri)        H. Kolditz

5. Springtime in Florida (Marsch)      H. Kolditz

 

In der Pause Einlage des Hotzenwald - Sextetts

 

6. Trumpet live (Mod. Intermezzo)   H. Raith

7. Drei lustige Gesellen (Polka)         H. Kamp

8. Moonlight Serenade                      W. Hautfast

9. My Fair Lady (Potpourri)                  F. Löwe

10. Menue a la James (Potpourri)      R. Seifert

 

An diesem Abend stellte sich zum ersten Mal das aus Vereinsmitgliedern neu zusammengestellte "Hotzenwald-Sextett" vor, das unter der Leitung von Konrad Scheuble in gekonnter Oberkrainer-Manier aufspielte. Vom 18. - 20. Juli 1980 feierte die Kapelle zusammen mit der Trachtengruppe Görwihl im großen Rahmen die 25-jährige Wiederkehr der Einführung der Hauensteintrachten für den gesamten Verein. Höhepunkt dieses Festes, das noch allen in guter Erinnerung ist, war der herrliche Festzug der am Sonntag, den 20.Juli, mit 30 Trachtengruppen, Kapellen und Brauchtumswagen durch das Dorf ging und den Tausende von Festbesuchern miterleben konnten. Vor Ostern 1981 gestaltete die Hotzenwald-Bauernkapelle zum 2. Mal zusammen mit dem Sängerbund Görwihl und dem Kath. Kirchenchor Görwihl ein Gemeinschaftskonzert, das einen großen Eindruck bei den Besuchern hinterließ. Nicht weniger als 25 Nummern bot das unter dem Motto: "Musik, die gefällt" stehende Programm, in dem auch verschiedene Solisten auftraten.

 

Zu einem Gegenbesuch weilte die Hotzenwald-Bauernkapelle mit den Musikerfrauen vom 4. - 6. Juli 1981 beim französischen Partnerverein Plancy zu dessen 100-jährigem Jubiläum. Bei mehreren Auftritten erhielt die Kapelle großen Applaus für ihre Darbietungen und als Erinnerung an diese Tage ein künstlerisch wertvolles Präsent. Alle durften schöne Tage voll herzlicher, französischer Gastfreundschaft erleben.

Nicht nur für den Verein, sondern für ganz Görwihl wurden die Tage vom 21. -24. August 1981 zu einem herausragenden Ereignis: Man feierte mit einem großangelegten Festprogramm das 120-jährige Bestehen der Hotzenwald - Bauernkapelle. Im Verlauf des Heimatabends erhielt Ehrenvorsitzender Franz Huber für 50-jährige aktive Mitgliedschaft die "Große goldene Ehrennadel" des Bundes Deutscher Blasmusikverbände; für25-jährige Treue zur Blasmusik erhielten Bruno Flum und Manfred Bär die Silberne Ehrennadel. Letzterer wurde dabei auch zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt. Zum ersten Höhepunkt dieses Jubiläums wurde am Samstagabend das "Musikalische Dreiländertreffen" in der vollbesetzten Hotzenwaldhalle, zu dem die 60 Mann starke "Fanfare Municipale Plancy", der Jodler - Club Laufenburg/Schweiz und die Stadtmusik Rheinfelden/ Baden spielten und sangen. Der Sonntagnachmittag begann mit einem Sternmarsch der Kapellen von Albbruck, Birndorf und Unteralpfen. Es schloss sich ein Festzug an mit 12 Musikvereinen, die anschließend auch in der Halle zum Nachmittagskonzert sehr gute Blasmusik boten. Das denkwürdige Fest, das besonders auch die freundschaftlichen Bande zu den Musikern aus Plancy vertiefte, wurde vorbereitet und organisiert vom 1. Vorsitzenden Fritz Baldischwieler und vom 2. Vorsitzenden Christoph Kaiser.

 

Beide gaben allerdings bei der Jahreshauptversammlung am 21. Januar 1982 ihr Amt ab, ebenso Carl Maier, der 12 Jahre in vorbildlicher Weise den Schriftführerposten bekleidet hatte. In die engere Vorstandschaft wurden in geheimer Wahl neu berufen: Vorsitzender Werner Gerspach, Stellvertreter Rolf Fricker, Schriftführerin Cornelia Flum und Kassier Walter Maier.

Unter dem Motto: "Musik und Gesang für Jedermann" gab die Hotzenwald-Bauernkapelle am 22. Mai 1982 zusammen mit dem Gemischten Chor Buch in der Hotzenwaldhalle ein Gemeinschaftskonzert, das einmal mehr das Publikum begeistern konnte. Mit zu den Höhepunkten des dreistündigen Konzertabends gehörten "George Gershwin in Concert" (K. Pfortner) und der rassige und mitreißende "Säbeltanz" von A. Khatchaturian.

Mit 12 anspruchsvollen Konzertstücken trat der Verein dann am 19. März 1983 zum großen Jahreskonzert allein auf die Bühne. Der Abend zeigte nicht nur das hohe Niveau des 40 Aktive zählenden Orchesters, sondern er offenbarte gleichzeitig auch eine bemerkenswerte Zahl von technisch versierten Solisten. Mit ein Höhepunkt war die Neueinstudierung von H. Purcells "Trumpet Voluntary", die unter vier Zugaben wiederholt werden musste. Im Verlauf dieses Konzertes hatten die sechs Zöglinge Rolf Albiez, Andreas Scheuble, Jürgen Martin, Helmut Ebi jun., Wolf-Dieter Menne und Jürgen Ihli ihren ersten Auftritt.

Ein weiteres bemerkenswertes Ereignis war 1983 das am 17. September von der Hotzenwald- Bauernkapelle, dem Gemischten Chor Buch und der Trachtenkapelle Herrischried gegebene Gemeinschaftskonzert in der Hotzenwaldhalle. Der von den Musikern und Sängern der Vereine gemeinsam vorgetragene Freiheitschor aus der Oper "Nebukadnezar" von G. Verdi hinterließ einen tiefen Eindruck in der vollbesetzten Halle.

Das Jahreskonzert am 7. April 1984 brachte neben einem großen musikalischen Erfolg auch eine Reihe verdienter Ehrungen. Eine seltene Auszeichnung erfuhr der musikalische Leiter der Hotzenwald-Bauernkapelle Franz Scheuble: Für seine 50-jährige aktive Musikertätigkeit- davon 30 Jahre als Dirigent des Vereins - zeichnete Verbandspräsident Harold Bäumle den "Musik - Jubilar" mit der "Großen goldenen Ehrennadel" des Bundes Deutscher Blasmusikverbände aus. In seiner Laudatio sprach der Präsident die herausragenden Verdienste des Dirigenten an, der durch seinen unermüdlichen persönlichen Einsatz die Hotzenwald-Bauernkapelle zu großen Erfolgen geführt hat. Die "Silberne Ehrennadel" mit Urkunde erhielten für 25-jährige Zugehörigkeit zum Orchester die Aktiven Helmut Ebi, Rolf Fricker, Werner Matt und Horst Osswald.

 

Unter den vielen öffentlichen Auftritten im Jahr 1984 seien drei besonders hervorgehoben: Am 30. Juni umrahmte der Verein musikalisch das 120-jährige Jubiläum des Schwarzwaldvereins Bad Säckingen; am 22. Juli unterhielten die Musiker die Besucher des Kreistrachtenfestes auf dem Hornberg beim Frühschoppen, und am 23. September spielten sie auf bei der Einweihung der neugeschaffenen Tennisanlage in Görwihl. Im Herbst gab es am 27. Oktober wieder ein Gemeinschaftskonzert, das diesmal von der Trachtenkapelle Herrischried, vom Jugendchor Herrischried und von der Hotzenwald-Bauernkapelle mit insgesamt 19 Programmnummern bestritten wurde. Höhe- und Schlusspunkt war die von allen Vereinen gemeinsam intonierte badische Nationalhymne: "Hoch Badnerland!"

Einige bemerkenswerte Zahlen für das Jahr 1984: Der Verein gab insgesamt 11.100,- DM für neue und 1.780,- DM für die Reparatur alter Instrumente aus. In diesem Jahr wurde das Können der Kapelle in 60 Proben erweitert und gefestigt für 30 öffentliche Auftritte.

Nach dem im März 1986 durchgeführten Frühjahrskonzert war das über die Tage vom 19. – 22. Juli bei bestem Wetter durchgeführte Kreistrachtenfest in Görwihl das Ereignis des Jahres. Die Hotzenwald-Bauernkapelle und die Trachtengruppe Görwihl organisierten gemeinsam diese Festtage, die nicht zuletzt auch an die vor genau 30 Jahren in Görwihl wiedereingeführten Hotzentrachten erinnern sollten. In den vier Festtagen standen Brauchtum und Tradition im Mittelpunkt. Dicht gedrängt säumten am Sonntagnachmittag die Zuschauer die Dorfstraßen, durch die in einem langen, farbenfrohen Festzug 28 Trachtengruppen und -kapellen zogen. Auf einer Tribüne gegenüber dem Gasthof "Adler" hatten die Ehrengäste Aufstellung genommen. Den unterhaltsamen Teil des Nachmittags bestritten Kapellen und Trachtengruppen mit ihren Vorführungen und Darbietungen in der vollbesetzten Hotzenwaldhalle, wie auch draußen auf einer auf dem Schulsportplatz improvisierten Festbühne. Hier bekam u.a. der von der Trachtengruppe Rickenbach Hornberg aufgeführte historische "Hotzentanz" viel Beifall. Neben diesen für alle Musiker anstrengenden Tagen beteiligte man sich 1985 am Wertungsspiel in Waldshut, wie an einer Aufnahme des Südwestfunks Baden Baden für die im September ausgestrahlte Sendung "Morgenläuten aus Görwihl." Nicht unerwähnt sollen einige Ausgaben bleiben, die man 1985 hatte:

5.455,- DM gab man für die Beschaffung neuer Instrumente aus; für die Reparaturen zahlte der Kassier 2.971,- DM; 1.121,- DM kosteten neue Trachten und 1.287,- DM neue Noten. An Lehrgangskosten sowie für die Ausbildung von Jungmusikern gab man 3.413,- DM aus.

 

Das dieses Geld gut angelegt wurde, erfuhr man bei dem Frühjahrskonzert am 15. März 1986. In der Pause dieser Veranstaltung stellte Günter Kaiser erstmals mit buntgemischten Bläservorträgen die 13 Zöglinge vor, die er seit etwas über einem Jahr ausgebildet hatte. Das Debüt der angehenden Jungmusiker konnte sehr gut gefallen. Im Verlauf des Abends stellte sich ebenfalls erstmals die neugebildete Unterhaltungsabteilung der Hotzenwald-Bauernkapelle, "Die flotten Hotzenwälder", unter der Leitung von Jürgen Martin vor. Das Frühjahrskonzert selbst, eine vollständige Neueinstudierung von acht Programmnummern, hatte in der sehr gut besetzten Halle einen großen Erfolg. Besondere Konzertstücke waren dabei die "Glücksrad" - Ouvertüre von H. Nieswandt, die neue Melodienfolge "Im weißen Rössl" in einem Arrangement von W. Löffler und die Skizze "So ändern sich die Zeiten" ebenfalls von H. Nieswandt.

Über die Tage vom 27. - 30. Juni 1986 konnte die Hotzenwald-Bauernkapelle ihr 125-jähriges Bestehen feiern, verbunden mit dem Bezirksmusikfest des Arbeitsbezirks II im Blasmusikverband Hochrhein. Mit dabei war eine Delegation des befreundeten Musikvereins "Fanfare Municipale Plancy" aus Frankreich. Zum Festkonzert am Samstagabend hatte man mit der Stadtmusik Waldshut und der Stadtmusik Wehr zwei hochkarätige Kapellen verpflichtet. Harold Bäumle, Präsident des Blasmusikverbandes Hochrhein, überbrachte dabei die Grüße der in dieser Vereinigung zusammengeschlossenen 104 Blasmusikkapellen mit derzeit 5.037 Aktiven.

 

Herausragendes Ereignis war am Festsonntag eine große Marschmusik - Parade, die sich von der "Kaisermatte" durch das Dorf zur Hotzenwaldhalle bewegte. Daran teil nahmen die zehn Blasmusikkapellen aus Buch, Albbruck, Birndorf, Strittmatt, Hartschwand-Rotzingen, Luttingen, Dogern, Hochsal, Schachen und Oberwihl. Südländisches Temperament brachte die italienische Volkstanzgruppe "La Primavera" aus Bad Säckingen auf die Bühne, von allen stürmisch gefeiert. Am 10. August 1986 sorgte die Hotzenwald-Bauernkapelle für den musikalischen Rahmen bei der Einweihung der neuen Sportanlage in Görwihl und ebenso bei dem am 14. September gefeierten Gemeindefest anlässlich des Abschlusses der Dorfsanierung. Die Festlichkeiten bezogen sich dabei vor allem auf den gelungenen Umbau des Görwihler Rathauses einschließlich der Erstellung des neuen Dorfbrunnens, auf die Übergabe des neuen Heimatmuseums am Marktplatz und die Einweihung der neuen DRK - Rettungswache am Mühleberg. Die 1986 abgehaltenen 63 gemeinsamen Proben (ohne Registerproben) zeugen von einer überaus emsigen Vereinsarbeit.

 

Beim Jahreskonzert am 4. April 1987 überraschten die 47 Musiker der Hotzenwald Bauernkapelle (darunter 13 vollintegrierte Zöglinge) in der gut besetzten Hotzenwaldhalle mit elf neu einstudierten Musikstücken. Diese hatte Vizedirigent Jürgen Martin ausgewählt, der selbst erstmals am Dirigentenpult die Polka "Musikanten - Parade" leiten durfte. "Volksmusik" war das Leitmotiv dieses Konzertes, bei dem auch Werner Gerspach, Bernhard Maier, Franz Elsesser, Heiner Ebi und Christoph Kaiser für ihre 25-jährige aktive Vereinszugehörigkeit zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden.

Vom 4. - 6. Juli gab es ein weiteres Treffen in Görwihl mit den Musikfreunden aus Plancy. Die 50 Musiker der "Fanfare Municipale Plancy l'Abbaye", dirigiert vom Präsidenten Hubert Richard, beteiligten sich an einem Gemeinschaftskonzert in der Hotzenwaldhalle gemeinsam mit dem "Jodler - Club Schloßberg" aus Laufenburg,/ CH, der Trachtengruppe Görwihl und der Hotzenwald-Bauernkapelle. Am nächsten Tag gab es nach der Besichtigung des Heimatmuseums für die französischen Gäste eine Fahrt durch den Schwarzwald, ehe es am Montagmorgen zum großen Abschiednehmen kam.

Ein weiterer Höhepunkt unter den 28 Auftritten 1987 war das am 12. September durchgeführte Gemeinschaftskonzert zusammen mit dem Sängerbund Görwihl und dem Männergesangverein Murg. Einen nachhaltigen Eindruck hinterließ dabei der gemeinsam vorgetragene "Freiheitschor" aus der Oper Nebukadnezar von G. Verdi. 1987 traf man sich in 63 Gesamtproben und weiteren 6 Registerproben. In diesem Jahr überstiegen die Ausgaben die Einnahmen. Der ganz reale Grund:

6.887,- DM kosteten neue Instrumente, 2.449,- DM fällige Reparaturen und 1.367,- DM musste man für neue Noten hinblättern.

 

Das traditionell zwei Wochen vor Ostern gegebene Jahreskonzert war 1988 der Interpretation moderner Melodien und Rhythmen gewidmet Aus dem Programm von 12 Stücken seien nur erwähnt die "Moonlight - Serenade", "Tanz mit mir Cha - Cha - Cha", "Trumpet Blues and Cantabile" und "Sexy Sax". Das auf einem hohen Niveau stehende Konzert zeichnete sich auch durch eine bemerkenswerte Zahl versierter Solisten aus. Erstmals stellten sich dabei die erst 11-jährige Karin Kaiser und der 13-jährige Markus Gerspach mit der Querflöte vor, einem für die Hotzenwald-Bauernkapelle neuen Instrument. Anstelle eines mehrtägigen Ausfluges begnügte man sich dieses Jahr mit einem Besuch des Winzerfestes in Auggen am 18. September, wo man am großen Festumzug teilnahm.

 

Im Frühjahr 1989 legte Franz Scheuble, bisher 53 Jahre aktives Mitglied der Hotzenwald-Bauernkapelle und nahezu 35 Jahre ihr Dirigent, den Taktstock nieder. Damit ging in Görwihl die große "Ära Scheuble" zu Ende, die einen signifikanten Höhepunkt fand im Abschlusskonzert am 11. März. Auf dem Programm standen auserlesene Musikstücke aus den zurückliegenden Jahreskonzerten, die hohe Anforderungen an das Orchester, wie an den Dirigenten stellten. Namentlich erwähnt seien die Konzertstücke "Besuch bei Jaques Offenbach", "Carneval in Venedig", "Im Weißen Rössel" und der "Säbeltanz" von A. Khatchaturian.

In einer großen Laudatio wurde Franz Scheuble für seine hervorragenden Verdienste geehrt, zum Ehrendirigenten ernannt und verabschiedet. Er, dessen Name immer mit der Hotzenwald-Bauernkapelle verbunden sein wird, hat dieses Orchester auf ein hohes musikalisches Niveau geführt und geformt und dabei als Dirigent neue Maßstäbe gesetzt. "Franz Scheuble war ein Glücksfall für Görwihl und den Hotzenwald", formulierte Bürgermeister H. Scheuble in seiner Dankadresse, und als der Dirigent den Taktstock nach den letzten Akkorden niedergelegt hatte, schloss er mit den Worten: "Meine Arbeit hat stets der Ehre Gottes, der Freude der Mitmenschen und dem Wohl der Gemeinde gegolten".

Nachfolger im Amt wurde Jürgen Martin, der selbst aus den Reihen der Hotzenwald-Bauernkapelle hervorging. Als 21-jähriger gab er sein gelungenes Debüt mit sechs neu einstudierten Kompositionen bei einem Gemeinschaftskonzert am 9. Dezember 1989, an dem auch der Jugendchor Herrischried und der Sängerbund Görwihl teilnahmen.

In diesem Jahr hatte man auch wieder erkleckliche Ausgaben. Für 4.986,- DM kaufte man neue Instrumente, 1.830,- DM kosteten Reparaturen und für die Ergänzung der Trachten benötigte man 1.663,- DM.

 

1990

Mit allein zehn neuen Stücken trat man am 21. März 1990 zum Jahreskonzert an, dessen Programm quer durch Jahrhunderte reichte, von J. S. Bach über preußische Märsche und afrikanisch anmutende Trommelfolgen bis zu Elvis Presley. Im Mittelpunkt stand dabei Jürgen Martin, der sein erstes großes Konzert als Dirigent souverän leitete. Dazu gab er noch in der Pause eine Vorstellung mit 13 Zöglingen, die er musikalisch betreut. Bei diesem Konzert wurden Carl Maier und Walter Lobmüller/Oberwihl für ihre 25-jährige aktive Zugehörigkeit zur Hotzenwald-Bauernkapelle zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Ein Novum brachte der 6. Juni 1990: An diesem Tag traten erstmals alle fünf Blasmusikkapellen der Gemeinde Görwihl, nämlich Görwihl, Oberwihl, Niederwihl, Strittmatt und Hartschwand-Rotzingen, in einem Gesamtchor auf. Anlass dazu war der 50. Geburtstag von Bürgermeister Harald Scheuble, der zünftig in der Hotzenwaldhalle gefeiert wurde.

Besonders erwähnt werden darf an dieser Stelle einmal Karin Kaiser, die als einziges Aktivmitglied sämtliche Proben des Jahres besucht hat. Das ist umso höher zu bewerten, als sie bereits im Vorjahr an allen 55 Proben teilgenommen hatte. Wegen der wiederum großen Ausgaben für Neubeschaffungen und Reparaturen von Instrumenten (Kosten: 11.000,- DM) verzichtete man 1990 auf einen Jahresausflug.

 

1991

Das Jahreskonzert 1991 bestritt man mit 35 Aktiven in Anwesenheit des Präsidenten Harold Bäumle. Auf dem Programm standen u.a. musikalische Leckerbissen wie "George Gershwin in Concert", "Concert for Glenn Miller" und "Die großen Saxophon - Hits". Ein australisches Fernsehteam filmte dabei die gesamte Veranstaltung für einen kulturellen Beitrag aus "Old Germany". Im Verlauf des Konzerts erhielt Kurt Bär für seine 40-jährige Mitwirkung in der Hotzenwald-Bauernkapelle die Goldene Ehrennadel des Bundes Deutscher Blasmusikverbände. Er ist nicht nur ein versierter Saxophonist, sondern er hat sich auch große Verdienste erworben als ehemaliger Leiter der Tanzmusikabteilung und als Ausbilder vieler Jungmusikanten. Die Silberne Ehrennadel für 25 aktive Jahre erhielten Bruno Flum und Heinz Strittmatter, die gleichzeitig auch Ehrenmitglieder des Vereins wurden.

Höhepunkt im Vereinsjahres 1991 waren zwei Jubiläen - am 7. Juli 1991 feierte die schon über Jahre partnerschaftlich - verbundene "Fanfare Municipale Plancy" ihr 110-jähriges Jubiläum. Mit einem reichlich gefüllten Vesperkorb gratulierte eine Delegation der Hotzenwald-Bauernkapelle zum Jubiläum. Über das Wochenende 12. - 15. Juli 1991 feierte die Hotzenwald-Bauernkapelle ihr 130-jähriges Jubiläum zusammen mit dem 10. Kreistrachtenfest im Landkreis Waldshut. Hierzu stand erstmals wieder seit 20 Jahren ein großes Festzelt auf dem Gelände des alten Sportplatzes.

Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten war der Samstagabend, "Benny Rehmann und sein Tanz- und Showorchester", ein von Funk und Fernsehen bekanntes Orchester, war angesagt. Die Begeisterung bei den nahezu 1000 Besuchern im Festzelt nahm kein Ende und es war schon einiges nach Mitternacht, als die ersten Besucher das Festzelt verließen. Am Sonntagnachmittag erlebten die zahlreichen Zuschauer einen von rund tausend Umzugsteilnehmern dargebotenen Festumzug durchs Dorf zum Festzelt. Trachten- und Musikgruppen aus der ganzen Region sowie zahlreiche Brauchtumswagen boten ein farbenfrohes Bild. Das Jubiläumswochenende fand seinen Abschluss am Montag mit einem herzhaften Handwerkervesper.

Am 30. Juni gestaltete die Hotzenwald-Bauernkapelle in der Görwihler Pfarrkirche die Festmesse anlässlich des 40-jährigen Priesterjubiläums des Görwihler Pfarrers Herrn Alfred Frei.

Als ein Zeichen der mittlerweile eingetretenen Entspannung zwischen Ost und West darf das gemeinsame Frühschoppenkonzert mit einem russischen Chor am 21. Juli 1991 in Herrischried gewertet werden. Im Jahr 1991 hatten die 44 Aktivmitglieder der Hotzenwald-Bauernkapelle insgesamt 74 Zusammenkünfte, eine ehrenwerte Leistung.

 

1992

Das Jahr 1992 war das Jahr der Persönlichkeiten innerhalb der Hotzenwald-Bauernkapelle. In der am 11. Januar 1992 abgehaltenen Jahreshauptversammlung wurde Werner Gerspach erneut für weitere zwei Jahre zum ersten Vorsitzenden gewählt, nachdem er schon zehn Jahre dieses Amt inne hatte. Am 25. Oktober 1992 erhielt Alexander Mutter aus den Händen des Verbandspräsidenten Harold Bäumle anlässlich der Verbandsversammlung des Blasmusikverbandes Hochrhein in Laufenburg das Dirigenten - Diplom. Leider musste die Hotzenwald Bauernkapelle von zwei namhaften Persönlichkeiten Abschied nehmen. Am 13. März 1992 verstarb nach kurzer Krankheit der langjährige Dirigent und Musiker Franz Scheuble. In seiner über 50-jährigen Zugehörigkeit zur Hotzenwald-Bauernkapelle hatte sich Franz Scheuble bleibende Verdienste für den Verein erworben. Am 1. Oktober 1992 verstarb völlig unerwartet der langjährige Moderator der Jahreskonzerte Rektor Karl Kaiser.

 

Am 4. April 1992 lud die Hotzenwald-Bauernkapelle zum Jahreskonzert in die Hotzenwaldhalle ein. Erstmals wurde ein Konzertstück, "Das Tor zum Süden" von Alexander Mutter einstudiert und am Konzert selbst auch von ihm dirigiert.

 

 

1993 

Nahezu alle Vereine und Vereinigungen der Gesamtgemeinde gratulierten In der Hotzenwaldhalle dem Görwihler Neuehrenbürger. Zusammen mit den Trachtenkapellen aus Strittmatt, Niederwihl, Hartschwand-Rotzingen und dem Musikverein Oberwihl gestaltete die Hotzenwald-Bauernkapelle diese außergewöhnliche Geburtstagsparty. Zu ihrem großartigen Jahreskonzert am 27. März 1993 konnte sich die Hotzenwald-Bauernkapelle und ihrem  Dirigenten Jürgen Martin selbst gratulieren. Das musikalische Repertoire reichte von klassisch mit "Air Pathetique" von Ludwig van Beethoven bis zu modern mit "Memory" von Rob Ares, bei dem Rudi Rünzi sein Können am Bariton zum Besten gab. Das Konzert wurde erstmals von Johannes Werner moderiert. Mit dreizehn Jungmusikanten unter der Leitung von Alexander Mutter konnte dem Publikum auch wieder ein ansehnlicher Musikernachwuchs vorgestellt werden.

Auch im Jahr 1993 musste sich die Hotzenwald - Bauernkapelle von einem langjährigen aktiven Mitglied verabschieden - Walter Lobmüller verstarb am 3. Oktober.

 

Über das Wochenende 23. - 25. Oktober weilten die Musikfreunde aus Plancy auf dem Hotzenwald zu Besuch. Ein gemeinsames Freundschaftskonzert in der Hotzenwaldhalle bildete den Höhepunkt des Besuchsprogramms. Nach 17 Jahren begeisterte am zweiten Weihnachtsfeiertag eine Laienspielgruppe der Hotzenwald-Bauernkapelle unter der Regie von Cornelia Jehle und Elvira Tröndle im vollbesetzten Pfarrsaal das Publikum mit dem Dreiakter "Z'hoch use" restlos. Das Jahr 1993 kann als ein sehr aktives Jahr bezeichnet werden. Die 44 Aktivmitglieder hatten sich dabei in 54 Gesamt und 12 Registerproben auf ihre insgesamt 30 Auftritte vorbereitet. Für DM 11.350,- wurden in diesem Jahr wieder Noten, Instrumente und Trachten angeschafft.

 

1994

Mit einer fast leeren Vereinskasse stand die Hotzenwald-Bauernkapelle im Jahr 1994 da. Der Bau des Probelokals zehrte nicht nur an den Kräften der Musiker, sondern auch kräftig an der Vereinskasse. In dieser kritischen Situation war es für den bisherigen 1. Vorsitzenden Werner Gerspach selbstverständlich, sich für weitere zwei Jahre für das Amt des 1. Vorsitzenden wählen zu lassen. Die Mühen und Entbehrungen sollten sich lohnen - am 10. September war es soweit - mit einem Volksmusikabend, gestaltet von der Trachtenkapelle Herrischried, der Trachtenkapelle Hartschwand-Rotzingen und der Hotzenwald-Bauernkapelle wurde das zweitägige Einweihungsfest des Probelokals eröffnet. Mit dieser Einrichtung hat sich die Hotzenwald-Bauernkapelle den Grundstein für eine sichere musikalische Zukunft geschaffen. Überglücklich über das Werk zeigt sich auch der Initiator zum Bau des Probelokals, Vorstand Werner Gerspach, der in seiner Festansprache seinen Dank besonders dem Architekten Günter Oechsle, Bürgermeister Harald Scheuble sowie den am Bau beteiligten Musikkameraden zukommen ließ.

Zum Jahreskonzert im März wurden die dreizehn Jungmusikanten in die Reihen der Aktiven aufgenommen. Das Konzert bot den zahlreichen Besuchern eine abwechslungsreiche musikalische Bandbreite. Dirigent Jürgen Martin wie auch Vizedirigent Alexander Mutter hatten die Musiker in vielen Register- und Gesamtproben hervorragend auf das Konzert vorbereitet.

Trotz der außergewöhnlichen Anstrengungen im Zusammenhang mit dem Bau des Probelokals trat die Hotzenwald-Bauernkapelle in diesem Jahr wieder bei vielen kirchlichen und weltlichen Anlässen auf und bereicherte die Veranstaltungen mit ihren musikalischen Darbietungen wesentlich. Die Hotzenwald-Bauernkapelle mit ihren nun 50 Aktivmitgliedern ist schon über Jahrzehnte hinweg bei öffentlichen Anlässen der Kulturträger in der Gemeinde Görwihl.

 

1995

Am 19. März 1995 musste man wieder von einer den Verein über Jahrzehnte hinweg prägenden Person Abschied nehmen. Im 90. Lebensjahr verstarb Ernst Fricker, er war über fünfzig Jahre Aktivmitglied sowie viele Jahre im Vorstand in der Hotzenwald-Bauernkapelle.

Das vorösterliche Jahreskonzert am 1. April 1995 stand ganz im Zeichen der jüngeren Aktivmusiker. Mit gekonnten Solovorträgen wussten Karin Kaiser an der Klarinette, Katrin Mummentaler am Saxophon sowie die Brüder Andreas an der Querflöte und Stephan Dörnte am Flügelhorn zu gefallen. Mit solchen Leistungsträgern kann die Hotzenwald-Bauernkapelle beruhigt in ihre musikalische Zukunft blicken.

Gefordert war das musikalische Können auch beim 100-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Görwihl am 28. Mai - den großen Feuerwehrumzug am Nachmittag durchs Dorf führte die Hotzenwald-Bauernkapelle an. Am 3. Juni wurde zu Ehren der aus dem Banat / Rumänien vertriebenen Saderlacher ein Denkmal bei der Hotzenwaldhalle eingeweiht. Die Hotzenwald-Bauernkapelle gestaltete die Feierlichkeiten musikalisch. Beim dreitägigen Ausflug vom 1. bis 3. September nach Plancy wurde die tiefe Beziehung der beiden Musikvereine erneut bekräftigt. Am 3. September umrahmte die Hotzenwald - Bauernkapelle in der Kirche St. Julian zu Plancy den Festgottesdienst. Die 45 Aktivmitglieder hatten im Vereinsjahr 101 Zusammenkünfte, das heißt im Schnitt nahezu alle 3,6 Tage.

 

1996

Das Jahr 1996 sollte ein sehr ereignisreiches Jahr für den Verein werden. Werner Gerspach wird bei der Generalversammlung im Januar für weitere zwei Jahre im Amt des 1.Vorsitzenden der Hotzenwald-Bauernkapelle bestätigt. Damit ist Werner Gerspach der Vorstand in der Hotzenwald-Bauernkapelle mit der längsten Amtszeit in diesem Jahrhundert. Nach sieben Jahren als Dirigent übergab Jürgen Martin beim Jahreskonzert am 23.03.1996 den Dirigentenstab an den bisherigen Vizedirigenten Alexander Mutter. Das anspruchsvolle Jahreskonzert, vor einer nahezu vollen Hotzenwaldhalle präsentiert, trug bereits deutlich die Handschrift des neuen Dirigenten. In der Konzertpause wurde Bruno Flum für sein 40-jähriges Aktivjubiläum geehrt.

Nicht nur für die Hotzenwald-Bauernkapelle, sondern für die ganze Region Hochrhein waren die Feierlichkeiten zum Jubiläum 1000 Jahre Österreich und 625 Jahre Hauensteiner Einungen, welche verteilt über das ganze Jahr 1996 stattfanden, ein herausragendes und unvergessliches Ereignis. Bereits im März beteiligte man sich an der Eröffnungsveranstaltung in der Laufenburger Rappensteinhalle. Und auch an den beiden Aufführungen des historischen Schauspiels der Einungsmeisterwahl im April auf dem Marktplatz in Görwihl und im September in Herrischried, konnte man die Männer der Hotzenwald-Bauernkapelle in ihren schmucken Hotzenwälder Trachten bewundern.

Unbestrittener Höhepunkt für die Hotzenwald-Bauernkapelle im Jahre 1996 war jedoch das Fest zum 135-jährigen Bestehen des Vereins vom 31. Mai bis 03. Juni, verbunden mit dem Kreistrachtenfest des Landkreises Waldshut. Wie vor 5 Jahren stellte der Verein ein großes Festzelt auf, in dem die Feierlichkeiten stattfanden. Der Festauftakt begann am Freitagabend zunächst in der Hotzenwaldhalle mit einem großen Galakonzert des Luftwaffenmusikcorps II aus Karlsruhe. Das Konzert war eine Wohltätigkeitsveranstaltung zu Gunsten des Heil- und Erziehungsheim Sonnenhalde in Görwihl. Am Samstagabend wurde für die jüngere Generation die bekannte Tanzkapelle "Pearls" verpflichtet. Der Sonntag war dann ganz dem Brauchtum verschrieben. Tausende Festbesucher erlebten einen wunderbar farbenprächtigen Festumzug mit zahlreichen Musikkapellen, Trachtengruppen und Brauchtumswagen welcher durch das Dorf zum Festzelt führte. Mit einem zünftigen Wälderhock wurde dann am Montagabend das Festwochenende abgeschlossen.

Am Rande des großen 135-jährigen Jubiläums gab es noch ein weiteres, und für die Hotzenwald-Bauernkapelle nicht minder wichtiges Jubiläum zu feiern. Denn genau vor 25 Jahren beim 110 jährigen Bestehen des Vereins wurden die freundschaftlichen Bande zur "Fanfare Municipale Plancy" geknüpft, welche bis heute in zahlreichen Treffen gefestigt wurden.

1997

Das Jahreskonzert ist für die Hotzenwald-Bauernkapelle immer der musikalische Höhepunkt im Jahresverlauf. Im Jahre 1997 stand dieses ganz im Zeichen des neuen Dirigenten Alexander Mutter. War es doch das erste Konzert für das er alleine verantwortlich zeichnete. Mit einer gelungenen Mischung vieler Musikrichtungen überzeugte man die zahlreichen Besucher in der Hotzenwaldhalle. Als Solist bewährte sich wieder einmal der Vorstand Werner Gerspach. Mit "Silberfäden", einem sehr anspruchsvollen Trompetensolo unterstrich er einmal mehr sein musikalisches Können. In der Konzertpause wurde Karl Strittmatter für seine 25 jährige Vereinstreue zum Ehrenmitglied ernannt. Bemerkenswert dabei ist, dass er noch als einziger einer Anfängergruppe von nahezu zwei Dutzend übriggeblieben ist.

Eine alte Musikerfreundschaft lebte über das Wochenende vom 4. bis 6. Juli 1997 auf. Der Musikverein Lorchhausen aus dem Rheinland kam zu Besuch auf den Hotzenwald. Die Verbindung besteht schon seit 1968 als die Hotzenwald-Bauernkapelle das erste Mal am Rhein war und wurde nun nach über 24 Jahren wieder aufgefrischt.

Am 12. Juli gratulierte man dem Ehrenmitglied Manfred Matt zu seinem 60. Geburtstag.

Bei den Heimattagen Baden-Württemberg welche in diesem Jahr in Bad Säckingen stattfanden, durfte natürlich auch die Hotzenwald-Bauernkapelle in ihren historischen Trachten nicht fehlen. Der über dreieinhalbstündige grenzüberschreitende Festumzug, bei dem man sich beteiligte, wurde live im Fernsehen übertragen.

Mit die schönsten Stunden erlebte die Hotzenwald-Bauernkapelle meist bei privaten Festen wie Jubiläen oder Hochzeiten ihrer Mitglieder. Und so gestaltete man am 4. Sept. 1997 die Hochzeitsmesse des ehemaligen Dirigenten Jürgen Martin wie schon so viele zuvor musikalisch mit.

Am 12.11.1997 wurde Jürgen Martin bei der Bezirksversammlung des Arbeitsbezirks II als erstes Mitglied der Hotzenwald-Bauernkapelle zum Bezirksdirigenten gewählt.

 

1998

Die Generalversammlung 1998 brachte zwei Veränderungen im Vorstand der Hotzenwald-Bauernkapelle. Markus Maier übernahm von Bernhard Maier das Amt des 2. Vorstands und Rita Langer übergab den Posten des Protokollführers an Daniel Maier

Tief in die Vereinskasse griff der Verein im Vorfeld des Jahreskonzert 1998. Denn neben großen Ausgaben für Trachten und Instrumentenreparaturen wurden auch zwei neue Konzertpauken erworben, die erstmals beim Jahreskonzert zu hören waren. In der Konzertpause gab es gleich zwei sehr außergewöhnliche Ehrungen. Horst Oßwald und Rolf Fricker konnten aus den Händen des Bezirksvorsitzenden Franz Bayer für 40-jährige Mitgliedschaft in der Hotzenwald-Bauernkapelle die goldene Ehrennadel in Empfang nehmen. Diese hervorragende Leistung sollte den jungen Musikanten als Beispiel dienen und gleichzeitig Ansporn geben für ebenso kameradschaftliches Engagement

Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Hotzenwald-Bauernkapelle war die Gründung der "Gemeinschaft für Blasmusikausbildung Hotzenwald" am 07.04.1998 kurz (GBH), gemeinsam mit sechs weiteren Musikvereinen aus dem Raum Görwihl. Aus den ursprünglichen Bestrebungen des Bezirksdirigenten Jürgen Martin eine Jugendkapelle aller Görwihler Musikvereine zu Gründen wurde schließlich die erste Ausbildungsgemeinschaft für Blasmusik ihrer Art im deutschen Blasmusikverband. Ausgehend von den ähnlichen Problemen jedes Musikvereins qualifizierte Ausbilder zu finden, sowie den enormen finanziellen Belastungen welche die Jungbläserausbildung mit sich bringt, haben sich bereits viele der umliegenden Musikvereine nach dem Görwihler Vorbild zusammengeschlossen.

Zur Musikprobe am 09.04.1998 konnte man nach zweijähriger Ausbildungszeit einige neue Jungmusikanten begrüßen. Zum Fortbestand der Kapelle ist es jedoch auch sehr wichtig begabte Musikanten zu fördern und weiterzubilden. So geschehen mit Andreas Dörnte der am 26.April die Dirigentenprüfung ablegte. Ein wahrer Reigen runder Geburtstage verdienter Mitglieder konnte 1998 ebenfalls gefeiert werden. Zum 60. Geburtstag gratulierte man Heinz Strittmatter und Kurt Bär. Zum 65. überbrachte man Fritz Baldischwieler herzliche Grüße, und zu guter letzt feierte man in der Görwihler Hotzenwaldhalle zusammen mit der ganzen Gemeinde den 75. Geburtstag von Pfarrer Alfred Frei. Beim weit über die Gemeindegrenzen bekannten Martinimarkt konnten in diesem Jahr die bekannten Bratwürste der Hotzenwald-Bauernkapelle in der neuen Markthütte gegrillt werden welche von Fritz Maier und einigen Mitgliedern der Kapelle in Eigenregie erstellt wurde. Zum Ende des Jahres führte man im Görwihler Pfarrsaal nach 5 Jahren Pause das Theaterstück "Wirbel um den gestohlenen Stinkkäs" auf.  

 

1999

Nachdem das Jahr 1998 mit 89 Treffen sehr anstrengend war, ließ man es 1999 etwas ruhiger angehen. Bei der Generalversammlung wurde Andreas Dörnte als neuer Vizedirigent verpflichtet. Dieser stellte dann dem zahlreich erschienenen Publikum beim Jahreskonzert mit zwei Stücken sein Können als Dirigent unter Beweis. Tags darauf gratulierte man im Gesamtchor mit allen Görwihler Musikvereinen dem neugewählten Bürgermeister Carsten Quednow musikalisch. Und einige Tage später war man auch bei der Verabschiedung des alten Bürgermeisters Harald Scheuble präsent.

Tief betroffen machte den Verein die traurige Nachricht vom Tode des Görwihler Pfarrers Alfred Frei am 26.04.1999. Über 40 Jahre begleitete er den Verein als Seelsorger und Gönner und so war es eine Selbstverständlichkeit das Totenoffizium am 30.04.1999 in Görwihl sowie die Beisetzung in Eppelheim bei Heidelberg am 04.05.1999 gemeinsam mit den anderen Musikkapellen seiner Pfarreien musikalisch zu gestalten.

Neben vielen weiteren kirchlichen und weltlichen Auftritten in diesem Jahr organisierte man am 09.10.1999 ein Wunschkonzert zusammen mit dem Musikverein aus Rheinheim in der Görwihler Hotzenwaldhalle. Die erfolgreiche Veranstaltung brachte wieder etwas Luft in die strapazierte Vereinskasse. Am 29. Dezember gratulierte die Vorstandschaft dem Ehrenvorsitzenden Franz Huber zu dessen 85. Geburtstag.

 

2000

Die Früchte seiner kontinuierlichen Aus- und Weiterbildungsarbeit erntete der Verein bei der Generalversammlung 2000. Problemlos konnte Alexander Mutter den Dirigentenstab an Andreas Dörnte übergeben. Und man kann nur hoffen, dass es die Hotzenwald-Bauernkapelle auch zukünftig schafft, den Dirigentennachwuchs aus den eigenen Reihen zu rekrutieren. Die Neuwahlen brachten zwei Änderungen im Vorstandsteam. Neuer Kassierer wurde Stefan Albiez und als Schriftführer wurde Klaus Tröndle verpflichtet. Das folgende Jahreskonzert stand dann im Zeichen der Übergabe des Dirigentenamtes an Andreas Dörnte und gleichzeitig schickte das bevorstehende Wertungsspiel am 20. Mai in Waldshut seinen Schatten voraus, dessen Titel bereits von Andreas Dörnte einstudiert wurden. Die Wertungsrichter bescheinigten der Hotzenwald-Bauernkapelle einen guten Leistungsstand sowie ein gutes Entwicklungspotential für die Zukunft.

Nach langer Krankheit verstarb am 12. Juli der Ehrenvorsitzende der Hotzenwald-Bauernkapelle Franz Huber. Besser bekannt unter seinem Rufnahmen "Marti Franz". Mit einem großen Trauerzug geleitete die Hotzenwald-Bauernkapelle den Verstorbenen zur Görwihler Pfarrkirche, wo man ein letztes Mal Abschied von ihm nahm.

Theaterabend der HBK

Zur Geselligkeit trug in diesem Jahr vor allem die Zahl 50 bei. Denn gleich 4 aktive Musikanten nämlich Christof Kaiser, Heiner Ebi, Werner Gerspach und Bernhard Maier konnten diesen runden Geburtstag feiern, was auch für die gute Altersstruktur der Hotzenwald-Bauernkapelle spricht. Mit einem Theaterabend im Görwihler Pfarrsaal wo man das Stück " Ein Paar, das es Wert ist?" aufführte schloss man das mit 24 musikalischen Auftritten gespickte Jahr ab.

  

2001

Seinen eigenen Stempel drückte der neue Dirigent Andreas Dörnte dem Jahreskonzert 2001 auf. Der in drei Teile gegliederte Abend, bei dem er erstmals Regie führte, bot alle musikalischen Richtungen von klassisch bis modern und begeisterte das treue Publikum. Im Verlaufe des Abends wurden Cornelia Jehle, Rita Langer, Alexander Mutter, Markus Maier, Matthias Schauer und Rudi Rünzi für ihre 25-jährige Vereinszugehörigkeit zu Ehrenmitgliedern ernannt. Vorstand Werner Gerspach überreichte den geehrten jeweils ein Aquarell ihres Instruments vom Görwihler Künstler Herbert Rudigier. Die Ehrung durch den Blasmusikverband führte der Bezirksdirigent Markus hoppe aus Unteralpfen durch.

Über das Osterwochenende besuchte man zum wiederholten Male den französischen Partnerverein in Plancy. Allerdings gab es in diesem Jahr einen wahrlich besonderen Grund für den Besuch der französischen Freunde. Denn seit nunmehr 30 Jahren besteht diese Verbindung, welche, wenn auch nur in bescheidenem Rahmen, jedoch sicher in den Herzen der Musikanten zur Völkerverständigung beigetragen hat.

Zur Kameradschaft im Verein trugen die größeren Ausflüge wesentlich mit bei. Die meist dreitägigen Fahrten machten die Musiker mit ihren Ehefrauen, Freundinnen oder Freunden, oft auch mit Ländern und Menschen anderer Sprachräume bekannt. Die in den vergangenen dreißig Jahren durchgeführten Ausflüge, die alle noch in guter Erinnerung stehen, sollen hier einmal verzeichnet werden:

 

1971 Besuch in Mardorf/Hessen beim befreundeten Gesangverein Mardorf auf Vermittlung von Heinrich Benner, einem Gönner der Hotzenwald-Bauernkapelle.

1972 Erster Gegenbesuch beim Partnerverein in Plancy

1973 Dreitägiger Ausflug zum befreundeten Musikverein Lorchhausen/Rheinland

1975 Zweitägiger Ausflug nach Vorarlberg und in den Bregenzerwald

1976 Dreitägiger Ausflug nach Mardorf/Hessen zum 100-jährigen Jubiläum des dortigen Gesangvereins

1977 Dreitägiger Ausflug nach Grächen (Wallis) Schweiz

1978 Dreitägiger Ausflug nach München mit Teilnahme am Oktoberfestumzug

1979 Dreitägiger Ausflug nach Paris und Plancy

1981 Dreitägiger Besuch bei den Freunden in Plancy

1982 Dreitägiger Ausflug nach Südtirol/Dolomiten

1984 Dreitägiger Ausflug an den Lago Maggiore

1985 Zweitägiger Ausflug ins Ötztal/Tirol

1986 Dreitägiger Freundschaftsbesuch in Plancy/Frankreich

1987 Zweitägiger Ausflug nach Stuttgart und Heidelberg

1989 Dreitägiger Ausflug nach Oberbayern und Salzburg

1993 Zweitägiger Ausflug ins große Walsertal und an den Lüner See

1995 Dreitägiger Ausflug nach Plancy/Frankreich verbunden mit dem Besuch der befreundeten Fanfare Municipale de Plancy

1997 Zweitägiger Ausflug ins Allgäu

2000 Zweitägiger Ausflug in den Heustadel nach Tirol

2001 Dreitägiger Ausflug nach Plancy/Frankreich zur Feier der 30 jährigen Freundschaft. Zusammen mit seinem Vorstandsteam hat Werner Gerspach, seit 1982 Vorsitzender der Hotzenwald-Bauernkapelle, durch ein gerütteltes Maß an Arbeit und Verantwortung einen wesentlichen Anteil am Gedeihen und an den großen Leistungen des Vereins. Das die Hotzenwald-Bauernkapelle in all den Jahren an allen weltlichen und kirchlichen Festen und Feiern in Görwihl mitgewirkt hat, sei der Vollständigkeit halber am Schluss ausdrücklich noch erwähnt. Und das der Verein ein Hauptpfeiler des kulturellen Lebens in Görwihl und für die Umgebung ist, wissen die Bewohner der Gemeinde wohl zu schätzen. Spätere Generationen können dies aus den gut geführten Protokollbüchern und Aufzeichnungen ersehen, wofür allen bisherigen Schriftführern auch ein Dankeswort gesagt werden soll.  

 

 

Bildergalerie